(Foto: Haupthaus in den 1920er Jahren mit damaliger Revierförster-Familie)
Die Geschichte von Seehaus
Bereits um 1300 benannte man urkundlich ein "Hauss ym See" auf einer Insel in der Mitte des großen Teiches, wo im 16. Jh. Schloss Seehaus an jetziger Stelle unter Georg Ludwig von Seinsheim erbaut wurde. 1632 brannten die Schweden das Schloss bis auf die Grundmauern nieder. 1655 fiel es an die Grafen von Schwarzenberg. Der wiederaufgebaute aktuelle Zustand geht ca. auf das Jahr 1780 zurück und wurde vom Schwarzenbergschen Baumeister Joseph Brockhard ausgeführt – eine typisch barocke dreiflügelige Anlage, angelegt zu Verwaltungszwecken und zunächst auch als Unterkunft des Fürsten im Falle einer seltenen Anwesenheit.
So wurde hier etwa der "Zehnt" von Schwarzenbergs Lehen eingetrieben und aufbewahrt. Auch war im Schloss ab 1816 das Hochfürstlich Schwarzenberg'sche Herrschaftsgericht Hohenlandsberg untergebracht. Dafür gab es im Ostflügel umfangreiche Umbauten, indem das Ökonomiegebäude, das zunächst nur Schüttböden enthielt, teils zu Wohnzwecken für einen Criminal-Adjuncten umgebaut und mit neun beheizbaren Haftzellen versehen wurde. Kurz zuvor war das damals noch recht moderne Schloss in den Jahren 1800 bis 1807 immer wieder Quartier für Napoleonische Truppen.
Der katholische Fürst Johann I. Nepomuk sorgte auch für eine veritable Schlosskirche, die der Ort Markt Nordheim nicht aufzuweisen hatte, damit seine meist katholischen Untertanen und auch er selbst in dieser Hinsicht in Seehaus versorgt waren. Der besonders schöne Altar stammt vmtl. aus der Werkstatt von Johann Peter Alexander Wagner aus Würzburg. Von außen gibt der Westflügel vor, keine Kirche zu enthalten, sondern auch ein Ökonomiegebäude zu sein. So wurde es vom Fürsten in Wien ausdrücklich gewünscht.
Auch eine katholische Schule wurde im Schloss über viele Jahre betrieben, wobei das Schloss-Ensemble sowohl Wohnung für Pächter, Verwalter und Revierförster mit deren Angestellten und Familien war als auch Wohn- und Wirkungsstätte eines Lehrers und Geistlichen.
Der See, der das wehrhafte Schloss ehemals umgab, wurde mit dem Wiederaufbau des jetzigen Gebäudes vor 1780 trockengelegt und zu Weideland umgewandelt. Die ehemaligen Festungsgräben sind inzwischen bewaldet und kaum noch erkennbar. Dennoch kann man bei genauerem Hinsehen die Anlage des ehemaligen Vorgängerbaus der Renaissance noch erahnen.
1947, nach dem 2. Weltkrieg, wurde eine Gebietsreform angeordnet, wobei ein Drittel vom Grundbesitz zu Gunsten von Flüchtlingen und Neusiedlern abgetreten werden sollte. Schwarzenbergs trennten sich u. a. von Schloss Seehaus mit den angrenzenden Gutshöfen. Das Ensemble, das ohnehin weniger repräsentativen Charakter hat und sehr schlicht gehalten ist, strahlt dennoch nach einer wechselvollen Geschichte immer noch einen einmaligen Charme aus, obwohl es in der Nachkriegszeit bisweilen als Flüchtlingslager diente und mehrfach den Besitzer wechselte.
Diesem Charme erlagen 1971 Günter und Ingeborg Kobow aus Berlin, die die Gebäude erwarben und nach und nach renovierten. Sie nutzten das Schloss ausschließlich privat als Zweitwohnsitz und veranstalteten mit ihrem großen Freundeskreis unzählige Feste und Konzerte. Um den ganzen Besuch auch unterbringen zu können, wurden viele Gästezimmer eingerichtet. In den Jahren 2003 bis 2008 sind von deren Erben außen wie innen am Haupthaus und an der Schlossdurchfahrt umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsarbeiten durchgeführt worden.
Das Schloss befindet sich heute im Besitz der Familien Kobow und Teltschik sowie dem Schloss Seehaus e.V.